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Entfremdungs-Studie
Datierung: 2014
Person:
Maße: je: 29,7 × 42 cm; Rahmen, je: 30,7 × 42,9 cm
Material/Technik: Inkjetdruck auf Hahnemühle Photo Rag Baryta
Creditline: Artothek des Bundes
Beschreibung: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, photographiert der österreichische Anthropologe Josef Szombathy (1853–1943) eine Serie von WienerInnen. Was die ‚Anthropometrischen Photographien‘ außergewöhnlich macht, sind, in ihrer Gestik der gewohnten Bildsprache anthropometrischer Studien entgegengestellt, einige Exemplare bei denen Frauen neben den Messinstrumenten posieren.
Mittels einer “Entfremdungsstudie” transportiert Prutsch ihre Arbeit mit den Glasnegativen der Szombathy Aufnahmen in den Ausstellungsraum. Mit der Wahl des Bildmaterials thematisiert die Künstlerin die theoretischen Implikationen der Reduktion des Körpers auf einen Messfaktor, deren Erweiterung das moderne Individuum unter dem Überbegriff des ‘Quantified Self’ erfährt; der Selbstüberwachung mittels kleiner Maschinen, Sensoren am Körper, Programmen auf dem Laptop, Apps auf dem Smartphone. Die von der Norm abweichenden Photographien wurden mit Frauen in normierter Position überblendet und die Abweichungen mittels eines Zeichenprogrammes am Computer farbig hervorgehoben. Anschließend wurden die Flächen der Abweichungen berechnet und mittels Kreisdiagrammen dargestellt- ein Hinweis auf die Bildsprache des ‚Quantified Self‘.
Sowohl Anthropometrie und moderne Selbstvermessung als auch Photographie sind Verfahren zur Übertragung eines Gegenstands oder Körpers in eine andere Ordnung zum Zwecke der Dokumentation, Untersuchung, Überwachung etc. Die Photoserie “Entfremdungssstudie” kann somit auch als Untersuchung eines ‘fremden’ Körpers, der seit dem digitalen Zeitalter vor allem eine Frage des Mediums ist, gelesen werden.

In Kooperation mit HR Ao. Univ.-Prof. Dr. Maria Teschler-Nicola, Abteilungsdirektorin Anthropologische Abteilung, Naturhistorisches Museum Wien
Objektnummer: 28000